Schanzel´s Guitar Site

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Gibson Les Paul Custom 1976

40 Jahre mit der "Lady in Black"

Ich kann mich noch gut an das Gefühl erinnern mit dem ich vor 40 Jahren das Musikhaus Barth in Stuttgart verlassen habe.

Es war der 02. Juli 1977, in der Hand hatte ich den Koffer mit meiner gerade eben neu gekauften Gibson Les Paul Custom.

Aufgeregt und stolz trug ich die Gitarre nach Hause, mit der Gewissheit, dass meiner Laufbahn als Gitarrist und Rockstar nun nichts mehr im Wege stehen würde... :-)

Aber der Reihe nach...

Es war 1973, ich war 13 Jahre alt und begann mich sehr für Musik zu interessieren.

Kultsendungen im TV waren damals Ilja Richters Disco und der Musikladen, in denen man neben ziemlich schlimmen Schlagersongs, auch immer mal wieder eine der damals angsagten Bands sehen konnte.

The Sweet, Slade, Suzi Quattro, Marc Bolan mit T.Rex, Nazareth, Golden Earring das waren die angesagten Acts. Jedesmal wenn eine dieser Bands die Sendung rockte, war ich begeistert und dachte nur, wow ist das cool, das will ich auch machen!!

Natürlich hatte ich noch keinerlei Vorstellung wie mein Weg zum Rockstar aussehen sollte, aber ich war schwer beeindruckt und der Wille war da... :-)

Ich erinnere mich, als ich mich weiter dafür interessierte, dass ich ziemlich überrascht  war, als ich mitbekam, dass man E-Gitarren einfach so im Laden kaufen konnte. Ich dachte damals das seien Sonderanfertigungen speziell für die Musiker oder so... :-)

In der Schule bekamen wir  einen neuen Mitschüler Thomas, mit dem ich dann auch Kontakt hatte und der mir stolz erzählte dass er als Gitarrist "in einer Band" spielt.

Da war mein Interesse natürlich sofort geweckt, ich bat ihn, mir seine Gitarre mal ansehen zu dürfen und kurze Zeit später hatte ich ihn überredet mir das Teil auszuleihen.

Da ich keine Ahnung hatte wie man Gitarre lernt begann ich etwas herumzuklimpern, mein neuer Freund zeigte mir die ersten paar Chords und Licks,und ich versuchte mich bald auch an ersten eigenen "Kompositionen". :-)

Es dauerte dann nicht lange bis wir unsere erste eigene Band gründeten und einfach begannen mit den vorhandenen Möglichkeiten Musik zu machen. Das klang sicher nicht toll hat aber riesig Spass gemacht und es war "cool". :-)

Natürlich stand bei mir der Wunsch nach einer eigenen Gitarre inzwischen ganz oben auf der Liste und nachdem ich meine Oma durch ein "Vorspielen" von der Ernsthaftigkeit meines Vorhabens überzeugt hatte, erklärte sie sich bereit, mir eine Gitarre zu finanzieren. Als ich Ihr den Preis für meine Wunschgitarre nannte war sie erst einmal erschrocken, das war damals schon viel Geld.

Aber über Monate sparte sie dann immer wieder 100.- DM zusammen, die sie mir dann gab, so dass ich mir  bald eine neue Framus Strato 6 kaufen konnte, die damals etwa 400.-DM kostete, Farbe war ein rockiges hellblau... :-)

Wenn man zu der Zeit Musikzeitungen aufschlug oder TV-Sendungen sah, gab es bei den bekannten Bands eigentlich nur zwei Gitarren-Modelle. Als angesagter Gitarrist spielte man damals eine Fender Stratocaster oder eine Gibson Les Paul.

Da diese Gitarren natürlich Lichtjahre von unseren finanziellen Möglichkeiten entfernt waren, konnten wir davon nur träumen und vielleicht mal ein ausgesuchtes Modell im Schaufenster eines Musikhändlers bestaunen.

Die heutige Fülle und Auswahl war damals undenkbar, wenn ein Händler mal ein paar echte Fender oder Gibson Gitarren anbieten konnte war das schon etwas besonderes.

Kopien gab es kaum, und wenn dann war die Qualität meist bescheiden. Marken wie Framus erschienen erst so langsam am Horizont.

Wer eine echte Fender oder Gibson hatte war der "King".

Ich war dann mit der Schule fertig und hatte einen Ferienjob in einer Ziegelei bekommen, wo ich einen heißen Sommer lang jeden Tag Ziegelsteinpaletten mit Stahlbändern transportfertig machte.

Zu der Zeit las ich zufällig eine Anzeige, in der das Musikhaus Barth in Stuttgart 10 Gibson Les Pauls zum Sonderpreis von je 1800.- DM anbot,ein super Preis für diese Zeit.

Ich war elektrisiert, kurz vorher hatte ein Gitarrenkumpel eine Les Paul deluxe erstanden, die ich schon ziemlich beneidenswert fand, aber ich wollte die Custom und hatte jetzt die einmalige Chance eine zu bekommen.

Die von meinem Vater erhaltene Erlaubnis zum Kauf eines Mopeds (damals auch ein sehr hohes Statussymbol) war damit Geschichte.

Kurzentschlossen fuhr ich mit meinem Bandkollegen nach Stuttgart um mir die Gitarre anzusehen. Nachdem wir den Laden betreten hatten äußerte ich bei einem Verkäufer auch sofort den Wunsch die Gitarre auspropieren zu dürfen.

Dieser nahm mir erst einmal die Zigarette aus der Hand bevor er mir das Instrument zum anspielen gab (ja damals durfte man in Geschäften noch RAUCHEN... :-)

Mir war dann schnell klar, dass ich die Gitarre haben wollte und ich bat ihn mir diese zu reservieren, was er mit einer Anzahlung von 360.--DM dann auch tat.

Wenige Tage später fuhr ich dann erneut nach Stuttgart, um das Instrument nach Zahlung der restlichen 1440.-DM abzuholen.

Ich hatte sie...

Meine neue Gitarre war eine schöne schwarze Gibson Les Paul Custom mit goldener Hardware auch als "Black Beauty" bezeichnet. Werkseitig mit sehr niedrigen und flachen Bünden ausgerüstet wurde dieses Model auch als "Fretless Wonder" angepriesen.

Sie hat die Seriennummer 00127801, wurde also 1976 in den USA gebaut.

Der Korpus besteht aus schwerem Mahagoni, der Hals aus Ahorn. Mit der aktuell verbauten Hardware hat die Gitarre ein Gewicht von 5.4 Kilogramm was bei einem 3 1/2 Stunden Gig ganz schön an der Schulter zerren kann.

40 Jahre Echtzeit-Aging mit ständigem Gebrauch sind der Gitarre inzwischen deutlich anzusehen, ich habe die ganzen Jahre fast ausschließlich dieses Instrument gespielt.Die super Bespielbarkeit, das Schwingunsverhalten und der Druck haben mich immer wieder zu diesem Instrument zurückkehren lassen, wenn ich mal wieder eine andere Gitarre ausprobiert hatte.

Die Halsrückseite...

Die üblichen Gürtelschnallen-Spuren...

Macken an Korpus und Fretboard..

Die Kopfplatte mit den geschlossenen Mechaniken. Diese verrichten seit 40 Jahren ihren Dienst, es wurde noch nie eine ausgetauscht...

Die braunen Stellen stammen von unzähligen Zigaretten die dort während des Spielens abgeraucht sind....;-) (Dieses Laster habe ich heute zum Glück nicht mehr...)

Die Kopfplatte von hinten...

Über die Jahre habe ich zahlreiche Veränderungen am Instrument vorgenommen.

In den 80ern kamen langsam die ersten Ausausch-Pickups auf den Markt, damals habe ich die verbauten Original-Pickups gegen zwei DiMarzio-Dualsound ausgetauscht, einer der ersten splitbaren Tonabnehmer für In- und Out of Phase Sounds.

Für die Umschaltung habe ich die beiden Mini-Switches eingebaut, diese verwende ich bis heute. Dazwischen hatte ich alle möglichen Pickups montiert, angefangen bei aktiven EMG´s 81, diversen DiMarzio Modellen, aktuell ist der originale DiMarzio von damals in der Hals-Position, am Steg ein Seymour Duncan Distorsion+.

Die Plastik Pickup-Rähmchen wurden durch Messingrahmen ersetzt.

Die Orginal-Pickups habe ich damals "leihweise" einem Bandkollegen für seine LP Kopie gegeben, mit denen er deren Sound verbessern wollte, auf die Rückgabe warte ich noch... :-)

DiMarzio Dual Sound Humbucker...

Nach wie vor in Hals-Position

Seymour Duncan Distorsion+ am Steg

Die Potis mit den nachträglich eingebauten Mini-Switches...

Ebenfalls in den 80ern, als die Floyd Rose Tremolo Manie aufkam wollte ich das auch haben und habe die Gitarre auf das Washburn Wonderbar, auch Shift 2001 System genannt, umbauen lassen.

Dieses Tremolo hat den Vorteil, dass es sich ohne bauliche Veränderungen auf der LP installieren lässt und jederzeit wieder zurückgebaut werden kann.

Diese Tremolos sind recht hart aufgehängt, so dass sie zwar fast Floyd Rose mäßig gebraucht werden können, bei Bendings und Handauflegen aber trotzdem stimmstabiler bleiben.

Das Tremolo war damals mit 680.- DM recht teuer ist aber durch und durch solide und fast nicht kaputt zu kriegen.

Diese Tremolos sind inzwischen recht rar geworden, ich besitze jedoch noch weitere zwei Stück davon, so dass die Ersatzteilversorgung gesichert ist.

Wenn man weltweit sucht, was ja heute kein Problem mehr ist, wird man aber, vor allem in den USA, immer mal wieder fündig.

Leider fast gar nicht mehr zu bekommen ist die Adapterplatte mit den entsprechenden Schrauben. Diese wurde früher oftmals nicht gebraucht, wenn das System auf anderen Gitarrentypen montiert wurde, und man hat sie einfach "entsorgt". :-(

Für die Montage werden Tunomatic Bridge und Stop-Tailpiece entfernt...

Die Adapterplatte wird mit zwei Schrauben auf die original Tailpiece Halterung geschraubt...

Darauf wird das Tremolo mit vier Schrauben befestigt...

Das Tremolo von der Seite...

Und von hinten. Die Saiten werden ohne Entfernung der Ball-Ends durchgesteckt wie bei einer normalen Halterung. Gut wenn´s schnell gehen muss...

Für die Stimmstabilität verwende ich am Sattel ein Schaller Stringclamp. Eigentlich auch seit langem ausverkauft, aber irgendwo taucht immer mal wieder eines auf.

Leider sind diese Teile recht verschleissanfällig und müssen alle paar Jahre ersetzt werden.

Der Vorteil zu anderen Sattelklemmen ist aber, dass sie ohne Werkzeug bedient werden können, was zumindest auf der Bühne sehr praktisch ist.

Die Plastikhalterung der Buchse habe ich durch eine aus Metall ausgetauscht.
Die Buchse ist orginal und wurde noch nie ersetzt. Damit hat sie bis heute etwa 40.000 Ein -und Aussteckvorgänge überlebt...

Ebenfalls original ist der Pickup-Wahlschalter. Dieser dürfte bis heute mindestens 100.000 Schaltvorgänge ausgehalten haben, funktioniert aber wie am ersten Tag.
Die Plastikscheibe der Halterung wurde ebenfalls auf Metall umgerüstet.

Die originalen Gurt-Pins wurden gegen Security-Locks ausgetauscht...

Original Hang Tags...

Ersatzteile...

Die Les Paul ist nun seit 40 Jahren mein ständiger Begleiter bei unzähligen Übungsstunden und Proben, bei vielen Gigs, und hat mich noch nie im Stich gelassen. Eine Saite reisst so gut wie nie, die Elektronik und Mechanik funktionieren einwandfrei.

Teilweise nehme ich noch nicht mal zu Gigs eine Zweitgitarre mit, weil ich weiss, das ich mich auf meine Black Lady verlassen kann.

Die Gitarre wurde bisher zweimal neu bundiert, beim erstenmal wurde das Hals-Binding mit ausgetauscht, was dann ein paar Jahre nicht wirklich gut aussah, beim zweitenmal hat Andre Waldenmaier von Staufer Guitars das hervorragend erledigt ohne das Binding zu wechseln.

Die Gitarre wurde zweimal geplekt, das steht als nächste Wartungsarbeit nun wieder an.

Meine Les Paul habe ich mehrmals verloren, einmal wurde sie in Italien von der dortigen Polizei beschlagnahmt die unseren Proberaum nach (ähem) kreativitätsfördernden Substanzen durchsucht hat.

Einmal wurde sie mir gestohlen, einmal ging sie auf dem Postweg verloren und war zwei Wochen lang nicht mehr auffindbar.

Ich habe meine Paula aber immer wieder zurückbekommen und kann nur sagen:

Thats my Guitar.. auf die nächsten 40 Jahre!


Ralf Schanzel